Vom Wandel eines Schulhauses

Rolf Quirin

Als sich am 19. August 2002 ca. 125 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern und dem übrigen Schulpersonal auf ihre sanierte, renovierte und erweiterte Schule freuen durften, da hatte dieses Gebäude in Reinsfeld schon eine mehr als 70-jährige wechselvolle Geschichte hinter sich.
Nachdem man bereits vorher an zwei verschiedenen Standorten in der Trierer Straße Schulgebäude genutzt hatte, wurde Ende November 1931 ein neues Schulhaus am jetzigen Standort bezogen, das nach Plänen aus dem Jahre 1928 durch Beschluss des Gemeinderats vom 7. Juni 1929 errichtet worden war und insgesamt, von der Regierung in Trier festgelegt, 185.000 RM gekostet hat.
Das zweigeschossige Schulhaus, das aus „Hunsrückschiefer“ (wohl aus dem nahegelegenen Steinbruch gegenüber der Felsenmühle an der Hunsrückhöhenstraße) gebaut wurde, hatte im Erdgeschoss zwei Schulsäle und eine Lehrküche an der rechten Stirnseite; hier befindet sich heute das Lehrerzimmer. 
Im großen runden Dachturm war eine Sirenenanlage untergebracht. Das Obergeschoss bestand aus drei Klassenräumen. Alle Klassenzimmer hatten dreiflügelige Sprossenfenster mit Oberlicht. Im Kellergeschoss links befand sich ein Werkraum. Peter Schirra, Jahrgang 1922, erinnert sich noch genau an die Zeit, als dieser Raum in den Winterhalbjahren für die Landjugend auch als landwirtschaftliche Berufsschule genutzt wurde.




Reinsfelder Schulhaus 1965

Im rechten Teil des Kellers befand sich die zentrale Koksheizung. Daneben war ein Volksbad mit Brause- und Wannenbäderkabinen eingerichtet worden; einen solchen Luxus kannte man in den Wohnhäusern nur allzu selten. Klassenweise, es gab anfangs noch keine gemischten Klassen, wurde geduscht. Peter Schirra weiß noch, dass es bei der damaligen Klassengröße schnell gehen musste: abduschen - einseifen - abduschen. Martha Stüber kann sich noch gut daran erinnern, dass diese Bäder nach dem 2. Weltkrieg von der Bevölkerung rege genutzt wurden. Gegen die Entrichtung einer Gebühr beim Hausmeister, der im Dachgeschoss des Schulhauses wohnte, konnte man hier seinen wöchentlichen Badetag, meistens samstags, einhalten.
Im Erdgeschoss stand im Eingangsbereich ein Springbrunnen mit Trinkwasser, das besonders an heißen Tagen eine begehrte Abkühlung bot. Links neben dem Schulgebäude war ein Schulgarten angelegt. Die damals vor der Schule angepflanzten Linden sind heute als stattliche Bäume willkommene Schattenspender auf dem Schulhof. Rechtwinklig an das Schulgebäude hatte man in gleicher Geschosshöhe das Lehrerwohnhaus errichtet, das später auch im Dachgeschoss noch Wohnungen bekam und mit Einzelöfen beheizt wurde.
Im 2. Weltkrieg war der gesamte Gebäudekomplex schwer beschädigt worden. Der Schulchronist Robert Staudter, von 1933 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1963 Schulleiter in Reinsfeld, schrieb dazu: „Auch unsere Schule hat durch Kriegseinwirkungen gelitten. Zwei deutsche 15 cm Granaten, von Geschützen, die südöstlich von Beuren standen, geschossen, rissen das Dach über den Dienstwohnungen auf und fegten das Kehlgebälk hinweg. Panzergranaten durchschlugen an zwei Stellen die Westwand. Jahrelang schlug der Regen ein, vernichtete die Wohnung der Lehrerin und z. T. das tragende Gebälk der Hauptlehrerdienstwohnung. Die Schulbänke standen vom 1. 10. 1944 bis 1. 10. 1945 bzw. 1. 12. 1946 ungeschützt auf dem Schulhofe. Sämtliche Lehr- und Lernbücher, Listen, Register, Verzeichnisse, Stammrollen, Karten und vor allem die wertvolle Chronik aus dem Jahre 1789 sind verschwunden.“ Nur unter erschwerten Bedingungen konnte in den folgenden Jahren der Nachkriegszeit Schule gehalten werden.




Schulgebäude 1976

Steigende Schülerzahlen erforderten einen Erweiterungsbau, der 1965 fertiggestellt wurde und mit fünf neuen Klassenzimmern und den entsprechenden Funktionsräumen der Schulraumnot in Reinsfeld ein Ende machen sollte. Dieser Schulhausneubau, der in der linken „Seitenfrontführung rechtwinklig als Bauflügel nach rückwärts durchgeführt ist und damit parallel zum Lehrerhaustrakt steht“, stellt den Fortsetzungstrakt der vorhandenen Schule dar, so ein Zeitungsartikel in der Trierischen Landeszeitung vom 13. Juli 1965.
 „Moderne Treppenhausaufgänge und eine überdachte Pausenhalle mit offener Front nach dem geschützt liegenden Schulhof hin, dokumentieren das Besondere am Erweiterungstrakt.“
Im Dachgeschoss des neuen Anbaus wurde neben der Hausmeisterwohnung eine weitere Wohnung eingerichtet. An die neue Zentralheizungsanlage hat man auch den Altbau angeschlossen. In dem u-förmigen Innenhof auf der Rückseite des Schulgebäudes stand nun eine Garagenzeile, die von den Hausbewohnern genutzt wurde.
Als im Zuge der Schulreform (die Pläne, aus der Reinsfelder Schule eine Mit­telpunktschule bzw. eine zweizügige Hauptschule unter Einbeziehung der Schüler aus Beuren zu machen, waren verworfen worden) die Schüler ab Klasse 5 zur Hauptschule Hermeskeil wechselten, stand das halbe Gebäude leer und bot ab Oktober 1973 Platz für die Unter- und Mittelstufenklassen der „Sonderschule für Lernbehinderte“ in Hermeskeil, die seit 1968 in immer engeren räumlichen Verhältnissen in der ehemaligen „Landwirtschaftlichen Winterschule“ und dem angrenzenden Direktorenhaus untergebracht war. (Heute befindet sich in diesem Gebäude in Hermeskeil das „Informationszentrum des Naturparks Saar-Hunsrück“).
Es kostete Albert Sänger, den damaligen Ortsbürgermeister von Reinsfeld viel Überzeugungskraft, gegen die Meinung einiger Gemeinderatsmitglieder und alteingesessener Lehrer den Weg für die Sonderschule nach Reinsfeld zu öffnen.
Die vom Kreis Trier-Saarburg von der Gemeinde Reinsfeld angemieteten Räumlichkeiten wurden nach und nach renoviert und umgestaltet. Durch Mauerdurchbrüche und Treppenverbindungen konnte das angrenzende Lehrerwohnhaus als Schulgebäude mitgenutzt werden. Im Erdgeschoss desselben richtete man Büroräume und das Lehrerzimmer ein; das Obergeschoss wurde zu einem Klassenzimmer und zu weiteren Funktionsräumen umgebaut. Die Dachgeschosswohnung wird bis heute von Mietern genutzt.



St. Martinus-Schule Reinsfeld 1988
(Zeichnung R. Q.)

Nachdem im Keller des rechten Altbauteils eine neue Lehrküche und ein Speisesaal eingerichtet und links im Keller zwei Werkräume errichtet worden waren, kamen im Spätsommer 1976 die restlichen der 117 Sonderschüler nach Reinsfeld und wurden vorerst in sieben Klassen unterrichtet.
Der Altbau hatte die gleichen großflächigen Einscheibenfenster wie der linke Neubauteil bekommen. Leider war der zum Teil noch gepflasterte Schulhof inzwischen vollständig mit einer Bitumenschicht versiegelt worden. Für die gesamte Umbaumaßnahme waren 150.000 DM über den Kreisetat veranschlagt wor­den.
Am 1. Januar 1989 ging die Trägerschaft des Schulgebäudes von der Ortsgemeinde Reinsfeld auf die VG Hermeskeil über. Das Mit- und Nebeneinander von Grundschule Reinsfeld und der mittlerweile in St. Martinus-Schule Reinsfeld umbenannten Sonderschule dauerte bis Juni 1999; zu dieser Zeit bezog die Grundschule ihr neues Gebäude in der Kaulenstraße, gegenüber der 1992 errichteten Sporthalle.




St. Martinus-Schule Reinsfeld 2002

Inzwischen hatte der Kreis Trier-Saarburg 1995 das ganze Schulgebäude übernommen und ab Sommer 1999 der St. Martinus-Schule zur kompletten Nutzung zur Verfügung gestellt. Dem mit den Jahren anfallenden Sanierungs-, Renovierungs- und Erweiterungsbedarf wurde mit den im Jahr 2002 abgeschlossenen Baumaßnahmen Rechnung getragen.

Unser neues "Haus des Lernens" steht allen offen, besonders auch denen, die einmal sehen wollen, was aus ihrer "alten Schule" geworden ist.

Die Gemeinde Reinsfeld darf auf dieses Schmuckstück in ihrem Ortsbild stolz sein.


Die folgenden Fotos sollen einen Eindruck von den 2001 bis 2002 durchgeführten Baumaßnahmen geben.

Erdarbeiten für den Anbau Abrissarbeiten in den Klassenräumen
Entsorgung der Klassenraumunterböden Aus der alten Pausenhalle entsteht das Atrium
Vorbereitung für den Innenputz Außenarbeiten
Vitrine im Treppenauge Eingangsbereich

 

zurück zum  zurück zur